Der Ozean lehrt das Atmen,
die Insel lehrt das Leben.
Früher war das Auftauchen aus den Tiefen,
nachdem die Wellen mich hinabgezogen hatten,
wie ein Versprechen: „Jetzt wird alles besser“.
Doch die nächste Welle kam
– und mit ihr die Angst, zu ertrinken.
Erschöpft klammerten sich die ersten Atemzüge
an dieses trügerische “Alles ist geschafft!”.
Doch das Spiel begann von Neuem.
Denn ich blieb im offenen Ozean.
Der tiefe Ozean
– das Einzige, was ich kannte.
Der Wechsel der Phasen wurde immer schneller,
die Wellen immer gnadenloser.
Jede zog mich tiefer hinab,
bis die Zeit an der Oberfläche nur daraus bestand,
Luft zu holen. Luft holen
– Bereitsein für die nächste Welle.
Das Überleben, die einzige Routine, die ich kannte.
Doch als die Luft eines Tages kaum mehr reichte,
wurde mir eines klar:
Der Ozean kann kein Leben sein –
der Ozean ist der Tod.
Dann kam sie – die Welle,
die Welle, die alles verändern sollte.
Mit all ihrer Kraft stürzte sie über mich herein.
Doch statt mich nach oben zu kämpfen,
entschied ich, etwas Neues zu wagen:
Ich schwamm nach vorn.
Ein erbitterter Kampf.
Ein Aufbäumen gegen das,
was mein Instinkt und meine Routine mich lehrten.
Ein Kampf gegen das Überleben –
ein Kamp für das Leben.
Gab es jenseits des Ozeans etwas,
war dort ein Ziel – oder nur eine Illusion?
Die Fragen nährten die Panik,
die Richtung war ungewiss.
Als meine Lunge brannte und die Dunkelheit mich verschlang,
glaubte ich schon verloren zu sein.
Doch dann kam die Luft.
Ein Aufatmen – so vertraut und doch anders.
Ich spürte etwas Neues:
Wärme auf meiner Haut,
Sand unter meinem Körper.
Ich öffnete die Augen und sah es
– ich bin am Ufer.
Der tiefe Ozean,
nur ein ferner Schatten am Horizont.
Es ist vorbei –
ich habe gewonnen.
Alles, was mir die letzte Dunkelheit mitgab,
eine einzige Wahrheit:
Sei glücklich.
Alles, was ich dafür bräuchte, sei hier.
Ich müsse um nichts kämpfen, nichts erzwingen.
Wenn ich etwas nicht fände,
würde es mich zur richtigen Zeit automatisch finden.
Auf dieser Insel erwartet mich keine neue Aufgabe.
Ich darf loslassen.
Die Insel ist mein Zuhause:
Ich darf atmen, ich darf sein, ich darf leben.
Die Erinnerung an den Ozean verblasst.
Jetzt spüre ich die Sonne auf meiner Haut
und lächle: „Die Insel gehört mir“.
Sie bietet mir alles, was ich brauche:
Freiheit, Glück und Hoffnung.
Noch liege ich am Ufer,
lasse den Moment auf mich wirken.
Ich könnte die Insel erkunden,
doch das hat Zeit.
Es gilt ein Tempo.
Jetzt möchte ich nur die Sonne
– das Sein, genießen.